Jeden Sonntag - ein neues Gedicht





Zitat:


"Wem Zweifel an dem Herzen nagt,
dem ist der Seele Ruh' versagt.
Geziert ist und zugleich entstellt,
wo Unlauteres sich gesellt
zu des kühnen Mannes Preis
wie bei der Elster Schwarz zu Weiß.
Doch oft gelangt er noch zum Heil,
denn beides haben in ihm Teil,
der Himmel und der Hölle Schlund.
Wer Untreu hegt im Herzensgrund,
wird schwarzer Farbe ganz und gar
und trägt sich nach der finstern Schar,
doch fest hält in der blanken,
der mit stätigen Gedanken."

"Parzifal" von Wolfram von Eschenbach,
Übersetzt von Carl Simrock.

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Parsivals Erweckung in uns

 

Als Parsival sein Heil verlor,

da er Anfortas leiden sah

und stumm verharrte wie ein Tor,

war doch Erbarmen in ihm da,

bis er zum wahren Glauben fand.

Was ihn verwirrte, gab ihm Kraft,

dass er sein Los mit Mut bestand,

denn wer sich irrt, auch Wahrheit schafft.

 

Nur wer sein Selbst am Werden probt

und sich dem eig’nen Tun aussetzt,

wird frei und freut sich ungelobt,

wenn Leib und Seele sich vernetzt.

 

So setze auf des Fühlens Macht,

die aus dem fernen Ursprung quillt,

woran das Denken sich entfacht

und mit Bewusstsein uns erfüllt.

Mit Ruhm und Ehr‘ ist’s nicht getan,

nicht, ob du Moslem oder Christ,

und nicht, was jede/r leisten kann,

es zählt am End‘ nur, wer du bist.

 

Hans Chisenus

 

2003 – erstveröffentlicht.

360. Wochenendgedicht, eingestellt am 22. April 2018

 




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