Jeden Sonntag - ein neues Gedicht





Zitat:

"C'est un tableau pendu
dans un sombre musée
et quelquefois tu vas
le regarder de près.
* * *
Dies ist ein Bild aufgehängt
in einem düsteren Museum
und manchmal gehst du hin,
es aus der Nähe zu betrachten."

Aus "Zone" des Guillaume Apollinaire.

Das Lyrikportal zählt 97.303 Leserzugriffe.




         Phantasmagorie

 

Bist du, o Muse, die Chimäre,

die meine Sinne irreführt?

Füllst du, ein Trugbild, meine Leere

und täuschst den, der dich nahe spürt?

 

Weh‘ dem, der sich dir anvertraut,

weil er verlassen - noch ein Kind -

dir in das bleiche Antlitz schaut.

Er greift ins Nichts, bis es ihm graut.

 

Du seelenloses Schattenweib,

du bist so blut- und wesensarm:

Nie lächelst du, du stummes Weib!

Du schwängerst mich mit bitt‘rem Harm.

 

Wie düster ist dein stumpfer Blick,

versteinert, ohne inn’res Licht,

auch keine Träne kehrt zurück!

Wie fremd starrst du mir ins Gesicht!

 

So träumte ich: Ich bin erwacht.

Nie war es mir so bang und kalt

noch eng umhüllt von schwarzer Nacht,

so wahr erschien mir die Gestalt.

 

Hans Chisenus

 

2005 – erstveröffentlicht.

424. Wochenendgedicht, eingestellt am 14. Juli 2019

 

 




An meine Leserinnen und Leser!

Der kostenlose Zutritt zu meiner Website www.lyrikportal.at oder www.lyrikportal.com bleibt als beständiger Dienst an Literatur und Sprache erhalten.

Die jeweils im laufenden Jahrgang gesammelten Gedichte werden im nachfolgenden Frühjahr in Buchform herausgegeben.

Eventuelle Anfragen, Anregungen oder Kommentare zu einzelnen Gedichten richten Sie bitte an meine E-Mail-Adresse: hans.chisenus@aon.at

Wenn Sie wollen, empfehlen Sie das Lyrikportal weiter. Ohne jede öffentliche Werbung hat es die Schwelle von 27 000 Zugriffen überschritten.

Muße und Liebe zur Literatur wünscht Ihnen, Ihr Gebhard J. Kiechl