Jeden Sonntag - ein neues Gedicht





Zitat:

"Als ich jüngst ein Kränzchen flocht,
fand ich Amorn in den Rosen.
Schnell erwischt ich ihn am Flügel,
stieß ihn in den Wein, und trank ihn
mit dem Weine rasch hinunter.
Jetzt erwecket er mir Armen
in dem Herzen mit den Flügeln
einen Kitzel nach dem andern."

Anakreon (495 v. Chr. gest.) : "An Amorn"

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   Das treibende Agens

 

Ist er denn als Narr geeicht,

sich so alt noch zu verlieben?

Hat Erfahrung nicht gereicht,

ihn zu lösen von den Trieben?

 

Hartem Stamm entsprossen Zweige

aus des Ölbaums glatten Schaft.

Wer kein Feuer hat, der schweige!

In ihm sprüht noch Lebenskraft.

 

Ein erloschener Vulkan

trägt auf seinen Schultern Reben.

Ziemt es einem reifen Mann,

sich dem Schmachten hinzugeben?

 

Möchte mancher andres meinen,

schiert es ihn nicht einen Deut.

Stets verjüngt, so will es scheinen,

neue Lust, die Rosen streut.

 

Hans Chisenus

 

2003 – (Carmen 155) erstveröffentlicht.

390. Wochenendgedicht, eingestellt am 18. November 2018




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