Jeden Sonntag - ein neues Gedicht





Zitat:




"Abgesang

Nun magst du es heimlich lesen,
was dir einst nicht wert genug
und so fremd war deinem Wesen;
da 's publik wird, scheint es klug.

Doch dir fehlt das innre Wissen,
das nach seiner Formung frägt,
und der Faden ist gerissen,
der dein Wort zum Andren trägt.

So wird kein Verlangen reifen,
das dem Blick dem Schönen weiht;
du wirst nach dem Apfel greifen,
der in dir die Lust entzweit."

Hans Chisenus (2007)

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Siehe unten!



 

Vergebene Unschuld

 

Ob es die Liebe gibt,

die offen ist und rein,

die kindlich zart verliebt?

Dann muss noch Unschuld sein.

 

Ist erst der Leib verstrickt

in einen wilden Drang,

der fleischlich sich erblickt,

erglüht die bleiche Wang‘.

 

Nun drängt sich ins Gefühl

Begierde ein mit Macht;

Verführung wird zum Spiel

und zum Gewinn gemacht.

 

Die Lieb‘ jedoch birgt innre Macht.

So kann doch nicht gelingen,

ist man auch selbst entfacht,

den Anderen zu zwingen.

 

Denn wär ‘s dann doch vollbracht,

der Zauber wär‘ dahin,

verschwunden über Nacht,

sobald ich wissend bin.

 

Hans Chisenus

 

2008 – erstveröffentlicht.

443. Wochenendgedicht, eingestellt am 16. Februar 2020




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