Jeden Sonntag - ein neues Gedicht





Zitat:

"Die schönen Augen der Frühlingsnacht,
sie schauen so tröstend nieder.
Hat dich die Liebe so kleinlich gemacht,
die Liebe, sie hebt dich wieder.
...
La douce Philomèle
se pose et chante dans tilleul;
quand son chant pénètre mon âme,
mon âme s'épanouit à nouveau."

"Die schönen Augen der Frühlingsnacht"
"La nuit de printemps abaisse sur nous"
von Heinrich Heine.


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         Printemps de l’amour

 

Die Sehnsucht brennt durch alle Glieder,

geschlechtlos noch ihr Liebestraum,

kehrt auch ein Bildnis immer wieder,

ist es nur eine Frucht vom Baum.

 

Er hieße sich, nicht länger warten,

wenn ihm ein kluges Weib verriet’,

die Pforte in den Liebesgarten.

Er wagte sich auf ihr Gebiet.

 

Hat er an ihr gewahrt Gelüste

diffus wie Atemzüge sind,

ein weiches Schwellen ihrer Brüste,

ein Stöhnen wie vom Abendwind?

 

Er hört auf seines Herzens Schläge,

das Engelrauschen im Gebet,

doch tief ist Welt und ihr Gepräge,

das an dem Zeitenrade dreht.

 

Es knistert in den Fingerspitzen,

es gähnt herauf den dunklen Schlund,

es schwitzt heraus aus allen Ritzen

und trocknet aus den offnen Mund.

 

Es wogt empor in schweren Träumen,

als ob der Schlaf der Fährmann wär‘,

wo Wellen um die Klippen schäumen,

treibt eine Kronenqualle quer.

 

Es färben ab sich die Gedanken,

sie kreisen wirbelnd durchs Gehirn,

in bunten Feenschleiern schwanken

ihm Nebelgeister um die Stirn.

 

Hans Chisenus

 

2004 – erstveröffentlicht.

408. Wochenendgedicht, eingestellt am 24. März 2019




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