Jeden Sonntag - ein neues Gedicht





Zitat:

"Marbre sacré, vêtu de force et de génie,
déesse irrésistible au port victorieux,
pure comme un éclaire et comme une harmonie,
o Vénus, ô beauté, blanche mère des Dieux!"

Aus 'Vénus de Milo' von Charles-Marie Leconte de Lisle.

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                   In allem Weib

 

Ist man verliebt, dann gibt es nur die Eine,

in der die Frau als ganzes Weib sich zeigt,

doch ist man aufgewacht für sich alleine,

entschwindet ihr Gesicht, die Sehnsucht schweigt.

 

Es reiht sich Bild an Bild, im holden Scheine

verschwimmt Erinnerung. Es wächst das Weib,

den Sinnen schön und wahr, im weißen Marmorsteine

lebendig ausgeformt, so kühl der Leib.

 

In allem Weib: Es ist so, wie sonst keine,

das blicklos ist und alle in sich hat,

das stets die And’re ist, die unberührbar Reine,

 

Idee des Urgeschlechts, dass man vermeine,

betaste nicht die heilge Schöpfungstat

und staune, dass sie figürlich dargestellt erscheine.

 

Hans Chisenus

 

2005 – erstveröffentlicht.

430. Wochenendgedicht, eingestellt am 25. August 2019




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